Vom Tech-Milliardär Peter Thiel über die AfD bis hin zum russischen Ultranationalisten Alexander Dugin wird das biblische Motiv „katechon“ verwendet, um ihr politisches Handeln für ihre jeweiligen nationalen Interessen in der Welt zu begründen. Damit setzen sie die Geschichte der Deutung - und auch des Missbrauchs – dieses Motives im Laufe der Jahrhunderte fort, die der Neutestamentler Lukas Bornemann als „eine Stätte der buntesten theologischen und phantastischen Wucherungen“ beschreibt.
In dieser Tagung wollen wir bibliodramatisch, exegetisch und wirkungsgeschichtlich dem Text 2. Thessalonicher 2,1-8 und weiterer Traditionen apokalyptischer und eschatologischer Texte der Bibel nachgehen:
Welche Lesart können wir verantworten? Welchen Beitrag müssen wir zur Aufklärung leisten, wenn eine politisierende Theologie zur Begründung einer autoritären Herrschaft im politischen Handeln verwendet wird? Wenn Katechon-Phantasien in Abhängigkeitsverhältnisse und nicht in die Freiheit des Evangeliums führen?