Auf welche biblischen Texte beziehen wir uns, wenn wir queere Perspektiven in Gottesdienste und weitere Arbeitsfelder einfließen lassen wollen? Welche Vorstellungen von G*tt, Mensch und Himmel taugen als Stoff zum Weben queerer Frömmigkeiten? Wie spielen wir die eigene queere Identität und politische Praxis – oder das Interesse an queeren Perspektiven – in den beruflichen Alltag ein?
Eine Spur führt zu den priesterschriftlichen Texten der Hebräischen Bibel. Bestimmungen zur priesterlichen (Unter-)Wäsche, die ein Zurücktreten der Geschlechtlichkeit in der Kommunikation mit dem Heiligen thematisieren, Genderbending in den Genealogien oder die Spiegelung G*ttes im Männlichen wie Weiblichen markieren einen Textkorpus, in dem wir queere Themen bewegen können.
Für die Werkstattwoche haben wir uns für das Buch Exodus entschieden. Ein Fokus soll auf den Kapiteln liegen, die sich der Gestalt des Tabernakels und der Priesterkleidung widmen. Hier interessiert uns die Vorstellung eines G*ttes, der/die Schönheit, Farben, Stoffe und Üppigkeit liebt und in jedes Detail Bedeutung legt. Gleichzeitig erlaubt das Buch Exodus Aufbruch, Transformation, Coming-out, Widerständigkeit, Konspiration, Konkurrenz und weitere Themen zu adressieren, die für eine kontextuelle queere und feministische Bibellektüre produktiv werden könnten.
Im Kurs soll es viel Zeit geben, die Texte in Ruhe zu lesen, zu diskutieren und zu erforschen. Dazu gehört es, entsprechende Forschungsansätze, z.B. von Deborah Rooke, Ronald Boer oder Caralie Focht kennenzulernen. Gleichzeitig bringen wir die Texte mit eigenen Erfahrungen mit Kleidung und Talar, Rolle, Heteronormativität und Widerstand ins Gespräch.
Ein weiterer Schwerpunkt der Werkstatt liegt darauf, Textfunde und Reflexionen in konkrete gottesdienstliche Werkstücke umzusetzen: Glossen, Gebete, Posts, Impulse oder Segensworte für den eigenen Arbeitskontext.
Last but not least wollen wir viel ausprobieren, feiern und genießen: Stoffe, Glöckchen, Stolen, Schnurbärte, Filme, Sneaker u.v.a.m.
Zum Kurs sind Menschen eingeladen, die sich als queer definieren oder sich eine Woche lang konsequent auf queere Perspektiven einlassen wollen.