Die jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens sind in den Jahrzehnten nach der Shoah vielfältig ins Bewusstsein gerückt, in Theologie und Kirche, Exegese und Musik, Gedenken und Gestalten. Das Gespräch mit dem Judentum ist lebendiger denn je – aber in der aktuell komplexen Gemengelage im Nahen Osten, nicht zuletzt seit dem 7. Oktober 2023, auch besonders herausgefordert. Sprachliche, politische und emotionale Fallstricke prägen den Dialog, Gespräche verlaufen oft asymmetrisch: Die jeweiligen Kontaktgruppen, Interessenlagen und Erwartungen im jüdisch-christlichen Dialog sind unterschiedlich – und nicht immer kompatibel.
Wir nehmen uns Zeit, verschiedene Felder dieses Dialogs gemeinsam abzuschreiten: Was haben wir aus der bisherigen Geschichte des Gesprächs gelernt – und was nicht? Welche Bereicherungen hat das kirchliche Leben durch jüdische Traditionen und Perspektiven erfahren – und wie kann ein angemessener Umgang damit aussehen? Wie lässt sich angesichts aktueller Entwicklungen ehrlich sprechen, ohne die Beziehung zu gefährden? Und nicht zuletzt: Was bedeutet Solidarität mit Jüdinnen und Juden heute – in theologischer, kirchlicher und gesellschaftlicher Hinsicht?
Vor Ort besuchen wir den jüdischen Friedhof in Niederhof – einst zerstört, heute still im Wald gelegen, erforscht und wieder sichtbar gemacht. Im Gustaf-Dalman-Institut an der Universität Greifswald besichtigen wir Realien aus dem Heiligen Land und literarischen Zeugnisse jüdischer Gelehrsamkeit, die beeindruckende Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen.
Schließlich erkunden wir gemeinsam mit Landesrabbiner Yurij Kadnykov, was heute möglich ist im jüdisch-christlichen Gespräch – mit klarem Blick, ehrlichem Interesse und theologischer Tiefe. So können wir ein Stück weiterkommen: zu mehr Verständnis, mehr Verantwortung und mehr Vertrauen.